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Entscheidungen. Wie viele davon haben wir täglich zu treffen? Was ziehen wir heute an – Rock, Hose, gelb, grün, sandfarben? Welchen der etlichen Filme schauen wir uns im Kino an – Action, Komödie oder doch die Dokumentation? Wohin fliegen wir in Urlaub – in die Anden zum Wandern, nach Thailand zum Tauchen? Noch nie sah sich der Mensch täglich mit so vielen Entscheidungen konfrontiert wie heute. Noch nie gab es so viele Optionen, zwischen denen wir wählen konnten, in sämtlichen Bereichen des Lebens. Noch nie sind wir in einem solch gigantischen Meer der Möglichkeiten geschwommen wie heutzutage. Ein Zustand, den die Generation unserer Eltern als äußerst komfortabel beschrieben und sich zur damaligen Zeit sehnlichst gewünscht hätte. Ein Zustand, den unzählige Menschen, die in weniger privilegierten Ländern der Erde leben, noch immer als paradiesisch und erstrebenswert erachten. Doch wir, die wir im Überfluss aufgewachsen sind, wissen wir das Glück zu schätzen? Empfinden wir das Meer der Möglichkeiten überhaupt als Glück?

Die große Freiheit oder Qual der Wahl?

Wir leben in einer Gesellschaft, die an ein stetiges Wachstum glaubt, in der es somit immer mehr von allem gibt. Bietet uns das nicht die große Freiheit, von der alle Welt träumt? Bedeutet dieser Zustand nicht Glück in Reinform? Wir können alles sein, alles machen, alles kaufen und alles haben – immer und rund um die Uhr. Müsste eine Gesellschaft, in der es alles zu jeder Zeit gibt, nicht eine Gesellschaft aus glücklichen und zufriedenen Menschen sein, die fröhlich und mit Leichtigkeit wählen, was sie wollen? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. In vielen Situationen verspüren wir keine Freiheit, sondern einen regelrechten Zwang sowie einen gewissen Druck, nicht nur entscheiden zu müssen, sondern auch noch richtig zu entscheiden. Wir wägen uns nicht in einem Schlaraffenland, sondern inmitten unzähliger Bäume, zwischen denen wir den Wald nicht mehr erkennen. Auswahlmöglichkeiten bedeuten also nicht zwangsläufig Erfüllung, sondern oft auch Überforderung. Das Meer der Möglichkeiten hat unser Leben nicht erleichtert, sondern paradoxerweise erschwert. Wie gehen wir mit dieser schwierigen Aufgabe am besten um? Sollten wir wieder mehr auf unser Bauchgefühl hören, oder doch auf einer pragmatisch durchdachten Grundlage entscheiden?

Warum sowohl dein Bauch als auch dein Verstand Recht hat

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich auf der Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit in ihrem Leben befinden. Manche streben ein Sabbatical an, andere würden ihr Leben am liebsten einmal von Grund auf umkrempeln. Leider bleibt es in vielen Fällen bei reinem Wunschdenken, bei heimlichen Tagträumen am Arbeitsplatz oder vagen Vorhaben, die sich mit der Zeit im Sande verlaufen. Es scheitert am letzten entscheidenden Schritt, am Treffen der endgültigen Entscheidung für die Kündigung, für die Trennung vom Partner oder für die Weltreise.

Menschen sind unterschiedlich, das macht sich nicht zuletzt beim individuellen Entscheidungsverhalten bemerkbar. Manche von uns sind eher emotional veranlagt und lauschen bei Entscheidungen auf ihren Bauch. Andere sind eher Verstandesmenschen und gehen rational und sachlich an ein Unterfangen heran.

Eine Entscheidung ist dann richtig getroffen, wenn wir sowohl Bauch als auch Verstand zu Rate ziehen, denn wir sind keine eindimensionalen Wesen. Beide Komponenten haben ihre Berechtigung. Höre auf deinen Bauch, aber vernachlässige deinen Verstand dabei nicht! Und dann versuche, die Schnittmenge zu erkennen, die goldene Mitte, und du wirst nie wieder eine falsche Entscheidung treffen. Was ist das überhaupt, eine falsche Entscheidung?

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Warum Entscheidungen immer richtig sind

Jeder von uns hat im Laufe seines Lebens schon Entscheidungen getroffen, die sie oder er im Nachhinein bereut und als falsch bewertet hat. Woher aber wollen wir wissen, wie die Alternative ausgesehen hätte? Manche Entscheidungen haben noch Jahre später Konsequenzen, da sie uns auf entsprechende Wege führen. Wir wissen im Vorfeld nie, wie der Weg sich gestalten wird, möge er in unserer Vorstellung noch so vielversprechend oder kritisch erscheinen. Wege entstehen, indem wir sie gehen und es gibt immer Abzweigungen, Kreuzungen oder unerwartete Überraschungen hinter der nächsten Abbiegung, in negativer als auch positiver Weise.

Jede Entscheidung, die wir bis zum jetzigen Zeitpunkt in unserem Leben getroffen haben, hat uns dahin gebracht, wo wir nun sind, hat uns zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind. Jede Entscheidung ist wichtig und es sind die vermeintlich „falschen“ Entscheidungen, die das meiste Potenzial haben, aus denen wir lernen und an denen wir wachsen können. Wenn eine Entscheidung nicht mit dem Resultat endet, das wir uns in unseren Träumen ausgemalt hatten, ist die Entscheidung nicht per se falsch oder schlecht getroffen. Sie bleibt einfach eine Entscheidung, ausschlaggebend ist im Nachhinein unsere Reaktion darauf. Denn wir allein haben die Verantwortung in unserem Leben, wir sind die Kapitäne und haben das Steuer in der Hand. Wir sind proaktive Geschöpfe und haben zu jeder Zeit die Möglichkeit, die Situation, in der wir uns befinden, zu ändern. Manchmal werden wir uns der Bedeutung von Erfahrungen und Wendungen in unserem Leben erst Jahre später bewusst.

Auch keine Entscheidung zu treffen, ist eine Entscheidung. Und zwar die Entscheidung dagegen, sich weiterzuentwickeln, zu lernen, zu wachsen. Wovor haben wir wirklich Angst, wenn wir fürchten, die falsche Entscheidung zu treffen? Wir neigen dazu, uns letztendlich für die vertraute, bekannte Option zu entscheiden. Indem wir die bereits bekannte Alternative wählen, vermeiden wir das Risiko, vermeiden wir die Veränderung. Dieses Bewusstsein schenkt uns Vertrauen, denn der Mensch hasst Veränderung in der Realität, und wenn er noch so gerne von einem anderen Leben träumt.

Das Geheimnis, die richtige Entscheidung zu treffen, liegt immer in unserer Reaktion auf ihre Auswirkungen. Der Weg wird durch uns bestimmt, wir geben die Richtung vor und können etwaige Steine, die sich vor uns aufzutürmen scheinen, überwinden und beseitigen. Der steinigste Weg führt manchmal zum bezaubernsten Aussichtpunkt.

Entscheide dich für deine Auszeit!

Das Übermaß an Möglichkeiten und der Druck, die richtige Entscheidung zu treffen, existiert auch und insbesondere bezogen auf Lebensentwürfe, die für uns in Frage kommen. Wie, wo und was soll man leben und arbeiten, wenn es keine Grenzen gibt, wenn es Tausende von Studiengängen und Ausbildungen gibt, wenn eine Karriere in einer Bank genauso realistisch ist wie eine berufliche Laufbahn als Betreiber einer Strandbar in Thailand? Bei der Entscheidung, den Job zu kündigen, um eine Zeit lang pure Freiheit und Selbstbestimmung zu leben oder gar eine ganz neue Richtung im Leben einzuschlagen, ist es meist der Verstand, der einen Strich durch die Rechnung zieht und den Traum zunichte macht. Doch wie gesagt, sollten wir uns immer bemühen, eine goldene Schnittmenge zwischen verstandesmäßigen Argumenten und Bauchgefühl zu finden. Dein Bauch wird all die positiven Emotionen hervorrufen, die du beim Gedanken an eine berufliche Veränderung hast. Bilder von fernen Ländern, die du bereisen kannst, von kreativen, sinnstiftenden Tätigkeiten, von freien Tagen, die du selbst gestaltest und mit Aufgaben füllst, die für dich Sinn ergeben. Dein Verstand wird dich hindern und dich ermahnen, dass du mit der Lücke im Lebenslauf nie wieder in die Arbeitswelt zurückfinden wirst und gewiss auch keinen Erfolg damit haben wirst, deine wahren Träume zu verwirklichen, denn das gelingt ja immer nur den Anderen. Dein Verstand wird dich aber auch daran erinnern, dass du nur dieses eine Leben hast, und dass dieses auch nach einer Veränderung weitergeht. Dass es in dem Meer der Möglichkeiten, in dem wir schwimmen, auch immer eine Möglichkeit für dich geben wird, die du wahrnehmen kannst. Das Leben ist voller Gelegenheiten, die nur darauf warten, ergriffen zu werden.

Es gibt im Leben keinen perfekten Zeitpunkt zur Veränderung. Veränderung bedeutet immer auch Schmerz, und Freiheit tut manchmal weh. Dennoch, hast du die Entscheidung einmal getroffen, werden sich dir neue Wege offenbaren, du wirst anderen Menschen begegnen, neue Inspirationen schöpfen. Dein Konto ist entsprechend abgedeckt, du hast dir die Meinung der dir wichtigen Menschen eingeholt, dein Kopf ist voller Ideen, wie du die Zeit gestalten könntest, dein Bauch voller Schmetterlinge beim Gedanken an die Freiheit? Dann tu es, kündige deinen Job und leg los! Warte nicht länger, denn je länger du die Entscheidung aufschiebst, desto schwieriger wird sie und desto weiter rückt sie in den Bereich des Unwahrscheinlichen.

Lerne, Entscheidungen schnell zu treffen, vermeide lange Phasen des Abwägens und relativiere die Meinungen deines Umfelds. Und zu guter Letzt: Stehe zu deinen Entscheidungen, denn nur du musst damit leben und du bist niemandem außer dir selbst Rechenschaft schuldig!

Wie gehst du mit den großen Entscheidungen des Lebens um?

Das Geheimnis der richtigen Entscheidungen

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