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Hängematte statt Bürostuhl, Abenteuer statt Monotonie. Deine Entscheidung für eine Auszeit ist gefallen, du bist Feuer und Flamme. Nun, wo du dein Ziel kennst, kennst du auch den Weg dort hin. Hast du dich dafür entschieden, nur temporär auszusteigen und wieder in deinen Job zurückzukehren, ist eine wichtige Station auf deinem Weg in die Freiheit das Gespräch mit deiner Führungskraft. Dieser Schritt ist bei vielen der wohl meist gefürchtete, mal leider zu Recht, mal völlig zu Unrecht. Aus mehrjähriger Erfahrung als Angestellte und als Verantwortliche für Führungskräfte weiß ich bedauerlicher Weise, dass gute Führungskräfte, beschönigt ausgedrückt, rar sind. Solltest du das Glück haben, einen kompetenten sowie humanen Chef zu haben, wird sich der Verlauf des Gesprächs als erheblich einfacher erweisen. Aber ganz gleich, welche Art von Führungskraft du überzeugen musst, es gibt Punkte, die im Gespräch immer hilfreich und förderlich sind.

Zeige Fairness und kommuniziere dein Vorhaben frühzeitig!

Bittest du deine Führungskraft heute um ein Gespräch, in dem du ihr eröffnest, dass du ab nächsten Monat gerne ein halbes Jahr um die Welt reisen und an deinem Schreibstisch alles stehen und liegen lassen möchtest, ist dein Vorhaben berechtigter Weise völlig aussichtlos. Sei fair deiner Führungskraft und dem Unternehmen gegenüber und nimm deine Führungskraft so früh wie möglich an Bord. Deine Führungskraft hat somit genügend Raum, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen und sich um einen Ersatz zu kümmern. Mit einer frühzeitigen Kommunikation beweist du Verantwortungsbewusstsein und Loyalität. Dies macht nicht nur die Zustimmung deiner Führungskraft wahrscheinlicher, sondern fördert auch das Klima und erleichtert dir somit deinen Wiedereinstieg.

Verdeutliche die Win-Win Situation!

Welche Aspekte deiner Auszeit könnten für deinen Arbeitgeber einen Gewinn darstellen? Vertiefte Sprachkenntnisse, die für die Ausübung deiner Position relevant sind? Erhöhte Motivation? Die Vermeidung eines sich anbahnenden Burn-Outs oder Bandscheibenvorfalls? Erweiterung deines Horizonts und damit einhergehend kreativere Ideen? Der Mensch ist von Natur aus egoistisch, und jeder ist auf das eigene Wohl bedacht. Das trifft auf dich zu, der oder die du dich mit deiner Selbstverwirklichung in Form eines Sabbaticals beschäftigst. Das trifft aber ebenso auf deinen Chef zu, dessen größtes Interesse in der Erreichung seiner Ziele und im reibungslosen Ablauf der täglichen Arbeit besteht. Mache dir im Vorfeld vertieft Gedanken dahingehend, inwiefern deine Auszeit einen Mehrwert für das Unternehmen, deine Führungskraft sowie seine Abteilung darstellen könnte. Kenne deine Fähigkeiten, deine Position und den Bedarf, der aktuell oder in absehbarer Zukunft auf das Unternehmen, die Abteilung sowie dich im Speziellen zukommt. Werde zum Verkäufer! Dein Produkt? Dein Sabbatical!

Mache Vorschläge für deine Vertretung!

Nimm deiner Führungskraft Arbeit ab, indem du im Gespräch Möglichkeiten vorschlägst, wie der Bedarf in deiner Abwesenheit gedeckt werden könnte. Hast du Ideen für eine Vertretung oder eine sinnvolle Umverteilung deiner Aufgaben? Indem du deiner Führungskraft Vorschläge unterbreitest, zeigst du Engagement und beweist, dass dir das Unternehmen und die Arbeit am Herzen liegen. Führungskräfte schätzen proaktive Gedanken und das Einbringen eigener Ideen und Anregungen, die ihnen das Arbeitsleben erleichtern.

Sei kompromissbereit und flexibel!

Zeige dich kooperativ. Du wünschst dir, dass dein Unternehmen dir und deinen ganz persönlichen Wünschen entgegenkommt. Gehe auch du auf dein Gegenüber zu und sei bereit, Kompromisse einzugehen. Ist der von dir gewählte Zeitraum deines Sabbaticals aus Sicht deiner Führungskraft und des Unternehmens aus verschiedenen Gründen kritisch und suboptimal, sei verständnisvoll, beweise Flexibilität und rebelliere nicht, wenn du erst einen oder zwei Monate später in die Auszeit starten kannst. Du hast ein Interesse daran, dass der Laden in der Zwischenzeit weiter läuft und deine Auszeit für keinen der Beteiligten einen Nachteil darstellt. Daher solltest du auch bereit sein, an der ein oder anderen Stelle zurückzustecken.

Appeliere an die Menschlichkeit!

Ob fähige Führungskraft oder nicht sei dahin gestellt. Wahrscheinlich ist, dass dein Gegenüber nicht nur Chef, sondern letztendlich auch nur ein Mensch ist. Spiele also mit offenen Karten und teile auch deine ganz persönliche Motivation für die Auszeit mit, die unabhängig von beruflichen Aspekten ist. Du möchtest ein Sabbatical, um mehr Zeit mit deiner Familie verbringen zu können? Womöglich hat deine Führungskraft Kinder und kann diesen Wunsch nachvollziehen. Du willst dir einen Traum verwirklichen und mit dem Motorrad von Nord- nach Südamerika fahren? Wer weiß, ob nicht auch deine Führungskraft einst davon geträumt oder irgendwann einmal etwas Ähnliches gemacht hat und sich deswegen gut in dich hineinversetzen kann.

Nenne andere, gute Beispiele!

Es gibt Menschen, deren Unsicherheit man mildern kann, indem man ihnen gelungene Paradebeispiele vor Augen führt. Bist du in einem Unternehmen tätig, in dem die gesamte Thematik Sabbatical noch keinen Einzug gehalten hat, bringe überzeugende Beispiele anderer mit ins Gespräch. Im letzten Jahr haben mehrere angesehene Zeitschriften das Sabbatical zum Titelthema gemacht. Im Fokus stand dabei immer der Manager des namhaften Großkonzerns, der ein Jahr lang barfuß und in Aladdinhosen durch Südostasien flaniert ist. Das Aussteigen auf Zeit ist insofern in den konservativsten Unternehmen längst salonfähig geworden. Zeige das deiner Führungskraft anhand besagter Beispiele! Solltest du innerhalb deines eigenen Unternehmens Mitarbeiter kennen, bei denen sowohl das Sabbatical als auch die Rückkehr erfolgreich vonstatten gegangen sind, tausche dich vorher mit den jeweiligen Personen aus und argumentiere im Gespräch mit dem Chef auch anhand dieser Beispiele!

Sei gut vorbereitet!

Bei einer Auszeit spielt die Planung in vielerlei Hinsicht eine wesentliche Rolle. Dies trifft auch für das Gespräch mit der Führungskraft zu. Je besser vorbereitet du in das Gespräch gehst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, die Zustimmung und das Wohlwollen deiner Führungskraft zu gewinnen. Erhöhe deine Erfolgswahrscheinlichkeit und informiere dich umfassend vorab über die Möglichkeiten, die das Unternehmen, in dem du arbeitest, bietet. Studiere vorhandene Firmenpolicies, und lese dir alle Informationen, die du im Intranet finden kannst, gründlich durch. Kenne die Anforderungen an deine Position und das Unternehmen, sei empathisch und versuche, die Angelegenheit aus den Augen deiner Führungskraft zu sehen. Wenn du dies im Vorfeld tust, bist du auch auf etwaige Widerstände und Gegenwind vorbereitet. Du wirst leichter überzeugen können, je eher dein Gegenüber den Eindruck gewinnt, dass dein Vorhaben Hand und Fuß hat und du weißt, wovon du sprichst.

Alles klar? Oder hast du noch immer Bauchschmerzen beim Gedanken an das Gespräch mit deiner Führungskraft?

So überzeugst du deinen Chef garantiert vom Sabbatical

4 thoughts on “So überzeugst du deinen Chef garantiert vom Sabbatical

  • Mai 4, 2016 bei 5:09 am
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    Abenteuer statt Monotonie…Hallo Juli, deine Worte erzeugen in mir einen Tagtraum. Nichts ist schlimmer als ein monotones Leben und unsere Zeit ist ja auch irgendwie zu kurz, um sie mit dem Erscheffeln von Geld herumzubringen, oder?

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    • Mai 4, 2016 bei 10:38 am
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      Hallo Mirob,

      Friedrich Nietzsche hat gesagt: „Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave.“ Wieviele Menschen kennst du, die zwei Drittel des Tages zu ihrer freien Verfügung haben? Die Arbeitswelt muss dringend geändert werden, die Strukturen sind total überholt und es gibt immer mehr Menschen, die da zu Recht nicht mehr mitmachen. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass der Arbeitstag per se acht Stunden hat. Die Überzeugung, dass alle Menschen in allen Positionen in allen Unternehmen exakt acht Stunden benötigen, um ihre Arbeit zu machen, ist doch völlig unsinnig!? Ebenso sinnlos ist es, in einer digitalen Welt Menschen nicht von dort aus arbeiten zu lassen, wo sie wollen. Unzählige Jobs kann man inzwischen von überall auf der Welt ausüben, man benötigt nur ein Laptop. Wieso sind Menschen also gezwungen, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, und sich vorher und hinterher durch den Verkehr zu quälen, Geld für Sprit auszugeben und die Umwelt zu verpesten? Gut, dass es Menschen wie uns gibt, die das hinterfragen und alternative Lebens- und Arbeitsmodelle entwickeln! Viele Grüße

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  • Mai 3, 2016 bei 12:47 pm
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    Hallo Juli!
    Ein paar sehr interessante Ansätze, wie so ein Anliegen an den Chef weitergegeben werden kann! Das macht Mut, sich zu trauen, diesen Schritt zu wagen 🙂 danke dafür!

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    • Mai 3, 2016 bei 1:45 pm
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      Liebe Senta,
      schön zu hören, dass die ein oder andere Inspiration für dich dabei ist!
      Viel Erfolg und viele Grüße

      Antwort

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