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Das Wichtigste vorweg: Dieser Artikel ist kein Plädoyer dafür, nackt durch Kabul zu laufen, ohne Fallschirm Fallschirm zu springen oder den Job zu kündigen, obwohl der Kontostand im Minus ist.

Nein, es geht um etwas ganz anderes. Unsere Gesellschaft besteht immer mehr aus Menschen, deren Sicherheitsdenken dem unserer Urgroßeltern entspricht. Und das in einer Zeit, in der es kaum noch einen Lebensbereich gibt, der nicht durch entsprechende Versicherungen und Vorsorgen abgesichert wäre! In dieser stets auf Sicherheit bedachten Gesellschaft, in der wir leben, gibt es kaum ein Risiko, auf das wir nicht vorbereitet wären. Der moderne Mensch ist für jeden erdenklichen Fall doppelt und dreifach abgesichert. Ganz gleich, worum es sich handelt. Wir crashen unser Auto sowie das eines Dritten? Wir sind versichert. Wir demolieren die sündteure Vitrine unseres Nachbarn beim Wii Sports Spielen? Wir sind versichert. Wir verkrachen uns mit dem Arbeitgeber? Ein Hoch auf Rechtschutz- und Arbeitslosenversicherung. Die logische Konsequenz ist, dass die meisten Menschen das Risiko, gegen das sie nicht versichert sind, scheuen. Den Jugendfreund, der sich eigendynamisch im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre zu unserem Lebensgefährten entwickelt hat, verlassen, um mit der großen, wahren Liebe zusammen sein zu können? Viel zu riskant. Den Job kündigen, um frei zu sein? Für viele im Entferntesten keine Option. Alles will gut geplant und durchdacht sein, das kleinste Detail muss stimmen und die Zukunft muss präzise prognostiziert werden können. Es gruselt mich, Menschen in meinem Bekanntenkreis gehabt zu haben, die Sex zu bestimmten Zeiten hatten, da die Wahrscheinlichkeit, ein Mädchen zu zeugen, höher war.

Ich kann mir ein Leben ohne Überraschungen, ohne Veränderung, ohne Auf und Ab nicht vorstellen. Ein Haus auf dem Land, nur 15 Minuten bis in die Stadt, das ich die nächsten dreißig Jahre abbezahle? Bitte erschießt mich.

Ich bin in meinem Leben viele Risiken eigegangen. Und auch wenn es Schritte gab, die nicht ganz so rühmlich ausgegangen sind, bereue ich keine meiner Entscheidungen! Denn ich bin immer wieder aufgestanden, habe gelernt und mein Handlungsrepertoire erweitert. All diese Zeiten sind charakterisiert durch Erfahrungen und Prozesse, die mich zu einer mutigeren Person gemacht haben. Und das nicht nur beim Snowboarden…

Es sind insbesondere die folgenden Aspekte, die mich gelehrt haben, dass es sich hin und wieder lohnt, nicht auf Nummer Sicher zu gehen, sondern im Gegenteil, endlich mal wieder den Adrenalinschub eines riskanten Unterfangens zu genießen:

Gehst du ein Risiko ein, vermehren sich potentielle Möglichkeiten!

Indem du das Risiko scheust, verbaust du dir zeitgleich Möglichkeiten. Das Beschreiten unbekannter, riskanter Wege bedeutet immer auch, dass sich dir eine Vielzahl bis dato unbekannter Optionen offenbart. Warum solltest du dir diese entgehen lassen?

Wenn du dich gegen deinen Wunsch einer beruflichen Auszeit entscheidest, um die vermeintliche Sicherheit deiner Festanstellung nicht zu riskieren, entscheidest du dich für einen möglichen Weg. Kündigst du deinen Job, stehen dir hingegen unendlich viele Wege offen. Du kannst plötzlich zwischen hunderten von Möglichkeiten frei wählen.

Wenn du öfter etwas riskierst, wirst du mutiger und stärkst dein Selbstvertrauen!

Sicherlich kennst du das gute Gefühl, das dich durchströmt, wenn du dich zu etwas durchgerungen, wenn du deinen Ängsten und Zweifeln den Krieg angesagt und gewonnen hast, indem du dich einer Sache gestellt hast, die dich zutiefst verunsichert hat. Gehen wir Dinge an, die gewisse Risiken bergen, ist es völlig normal, wenn vereinzelt auch Wolken des Zweifelns aufkommen am strahlend blauen Himmel der Vorfreude. Umso größer ist der Erfolg, den wir verzeichnen, wenn wir es entgegen aller Zweifel geschafft haben!

Sitzt du beispielsweise auf einer Position fest, die weder deinen Vorstellungen eines idealen Jobs noch deinem Potenzial entspricht, können schnell Selbstzweifel aufkommen, wenn dein Arbeitgeber dir jahrelang ohne ersichtlichen Grund keine Entwicklungsperspektive bietet. Indem du dich von deiner Position befreist, um dich auf die Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen zu machen, wirst du dich gestärkt und mutiger fühlen, insbesondere im wahrscheinlichen Fall, dass du eine neue Position findest, mit der du dich sichtlich verbesserst!

Du meinst, du hast viel zu verlieren? Dann bedenke all das, was du gewinnen könntest!

Die Tendenz, Aktionen mit offenem Ausgang zu meiden, ist immer nachvollziehbar, sofern du mit deinem Leben rundum zufrieden bist und viel zu verlieren hast. Bezüglich der Arbeitsstelle habe ich in den letzten Jahren kaum jemanden getroffen, der viel zu verlieren hatte. Und dennoch halten die meisten Menschen an einem Job fest, der sie täglich unglücklich macht und frustriert.

Führst du folglich kein erfülltes Berufsleben, stelle dir selbst die Frage, was du tatsächlich zu verlieren hast und sei schonungslos ehrlich zu dir. Beschäftige dich auch mit all den immateriellen Dingen, die du gewinnen könntest, wenn du bis dato unbekannte Türen öffnest!

Verlasse deine Komfortzone, und du wächst!

Es ist sehr einfach, sich in vertrauten Umgebungen aufzuhalten und zurechtzufinden. Wir wissen immer und zu jeder Zeit, was wir erwarten können. Du kennst sie. Diese Menschen, deren geradliniges Leben vorhersehbarer nicht sein könnte. Menschen, die seit der Schule im selben Freundeskreis verkehren, die Jugendliebe geheiratet haben, in ihrer Heimat leben oder in diese zurück gekehrt sind. Die dem gesellschaftlich vorgegebenen und anerkannten Lebensmodell folgen. Der Interessantheitsfaktor der Geschichten besagter Menschen hält sich meist in Grenzen, denn was hat man schon zu erzählen, wenn man immer nur in bekannten Gefilden unterwegs war?

Wenn du deine Komfortzone verlässt, wächst du als Persönlichkeit immer. Sobald du dich in unbekannte Situationen und an fremde Orte begibst, bist du gezwungen, zu lernen. Du lernst, dich an Neues anzupassen und Altes aus einem neuen Licht zu betrachten. Und Lernen heisst schließlich Leben!

Mein persönlicher Lottogewinn: Das Risiko, das ich eingegangen bin!

Auch ich hatte meine Zweifel und Sorgen. Würde ich meine wahre Berufung finden? Würde ich mir Türen für immer verschließen? Würde ich unter der Brücke landen? Zweifel sind normal, wenn man wichtige Entscheidungen zu treffen hat und neue, unbekannte Wege geht. Doch schaue ich heute auf meine einstigen Zweifel zurück, muss ich schmunzeln. Ich weiß, dass die Zweifel zum damaligen Zeitpunkt ihre Berechtigung hatten. Nach über einem halben Jahr Auszeit und aufgrund der bisher gesammelten Erfahrungen habe ich nun allerdings die Gewissheit, dass meine Entscheidung, mich auf den Weg in ein neues (Berufs-) Leben zu machen, mein ganz persönlicher Lottogewinn war.

Was habe ich verloren? Einen Job, der mich täglich gelangweilt hat, ein frustrierendes Umfeld, das mich angewidert hat, eine sitzende Tätigkeit, die mir Rückenschmerzen beschert hat.

Was habe ich gewonnen? Unbegrenzte Freiheit, unvergessliche Momente in der Ferne, neue Freunde und Erfahrungen, ein Zustand anhaltender Zufriedenheit sowie ein Meer voller Inspiration und Ideen bezüglich meines jetzigen und künftigen Lebensstils.

Ich bin noch mitten drin im Abenteuer Auszeit, aber ich habe es keine Sekunde bereut, eine Lücke in meinem Lebenslauf riskiert zu haben! Im Gegenteil, ich bin bereits zum jetzigen Zeitpunkt dankbar für das Wegenetz an potentiellen neuen Möglichkeiten, das ich mir erschaffen habe!

Daher kann ich dir mit absoluter Überzeugung aus langjähriger Erfahrung sagen, dass es sich lohnt, öfter mal ein Risiko einzugehen!

 

Warum es sich lohnt, öfter mal ein Risiko einzugehen

2 thoughts on “Warum es sich lohnt, öfter mal ein Risiko einzugehen

  • Mai 12, 2016 bei 3:41 pm
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    Hallo Juli,

    ich finde deine Gedanken zum Gefangensein im Hansterrad absolut treffend. So viele Menschen fürchten sich vor dem, was sie nicht abgesichert haben. Das sollte nicht so sein!!!!

    Antwort
    • Mai 12, 2016 bei 4:44 pm
      Permalink

      Hallo Mirob, nein, das sollte tatsächlich nicht so sein, denn das Leben wäre ohne gelegentliche Überraschungen ganz schön eintönig. Wie ein tolles Geschenk, das aber nicht verpackt ist! 🙂 Viele Grüße

      Antwort

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