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Kürzlich war ich mit einer lieben Freundin zum Brunchen in einem netten Café um die Ecke verabredet. Über frischem Minztee, Bircher Müsli und Volkornbrötchen haben wir uns anlässlich meiner Auszeit angeregt über Lebenspläne und die Verwirklichung von Träumen unterhalten.

Wenn du mir heute gegenübersitzen würdest und ich dich fragen würde, ob du glücklich bist und deine Träume lebst, was würdest du mir antworten?

Hätte man mir die Frage heute vor einem Jahr gestellt, ich hätte ein klares Nein zum Ausdruck gebracht. Heute vor einem Jahr war mein Ziel, noch etwa ein halbes bis maximal ein Jahr zu arbeiten, bis ich genug Geld hätte, um meinen Traum in Form von Freiheit, Selbstbestimmung, Kreativität und Reisen zu leben. Ich habe mein Glück in der Zukunft gesehen und viel wertvolle Lebenszeit verschwendet, Beziehungen vernachlässigt und einen Sommer mit Traumtemperaturen verpasst. Ich habe Tage an mir vorüberziehen lassen und mich morgens mit Hilfe von Tagträumen motiviert, die das Leben zum Inhalt hatten, auf das ich am Sparen und Hinarbeiten war. Heute weiß ich, dass mein Ausstieg auch schon früher möglich gewesen wäre, hätte ich meinen Traum nicht vor mir her geschoben.

Seit ich in der Auszeit bin bekommt mein Freundes- und Bekanntenkreis ständig Zuwachs, da ich endlich wieder die Zeit habe, mein soziales Leben zu hegen und zu pflegen. Ich habe in den letzten Monaten viele liebenswerte und inspirierende Menschen getroffen. Dennoch treffe ich auch immer wieder auf Menschen, die ihren eigentlichen Lebensplan aufschieben und ihr Leben träumen, statt ihren Traum zu leben. Tolle Menschen mit den besten Voraussetzungen, die ihr Leben im Grunde mit Warten verbringen, und sich dessen oftmals nicht einmal bewusst sind.

„Morgen fange ich an, definitiv!“

Ich habe noch nicht genug Geld gespart.

Ich warte noch auf die passende Gelegenheit.

Wenn ich dieses eine Projekt beendet habe, komme ich abends wieder pünktlich nach Hause, um mehr Zeit mit meiner Freundin zu verbringen.

Bald werde ich das mit der Elternzeit ganz bestimmt in Angriff nehmen.

Wir verschieben das Reisen auf später, erst zahlen wir unsere Eigentumswohnung ab.

Wir tendieren dazu, unser Glück in der Zukunft zu sehen und die Verwirklichung unserer Träume sowie die Umsetzung unserer Pläne vor uns her zu schieben. Auch ich konnte mich davon nicht immer frei sprechen. Manchmal kam es mir vor, als sei das ganze Leben die Generalprobe für die Aufführung eines Theaterstücks, die niemals stattfinden würde. Die Realität aber ist, dass das Leben im jetzigen Augenblick die einzige Aufführung ist. Es gibt keinen Vorlauf, keine Proben und keine Premiere.

In unserem Streben nach der Erfüllung unserer Träume akzeptieren wir ein Leben voller Kompromisse und geben uns mit Mittelmaß zufrieden. All das immer im festen Glaube daran, dass der Tag X ja irgendwann kommen wird, in dem wir all das haben, was wir uns erhoffen und zu einem glücklichen Leben brauchen. Aufschieberei entspringt häufig der Angst vor Veränderung. Das ist uns, wenn wir selbst betroffen sind, nicht bewusst. Wir gestehen uns die Angst nicht ein, sondern verschleiern sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf eine bessere Zukunft.

Manche von uns verbringen ihr Leben damit, zu warten. Auf den richtigen Moment. Auf das höhere Gehalt. Auf das schöne Traumhaus. Auf den perfekten Partner. Auf das Idealgewicht. Auf die Rente. Auf den Mut, endlich eine Entscheidung zu treffen. Andere verschlingen reihenweise schlaue Bücher und Ratgeber oder aber stürzen sich in andere Themen und bündeln ihre gesamte Aufmerksamkeit auf etwas ganz Anderes, um sich selbst glauben zu lassen, dass sie gerade zu nichts kommen und leider viel zu beschäftigt sind, um an der Verwirklichung des eigentlichen Traums zu arbeiten.

Oder aber wir bilden uns ein, permanent kurz vor unserem Ziel zu sein. Zum Beispiel indem wir uns einreden, dass wir das Gespräch mit dem Chef bezüglich des Sabbaticals bald ganz bestimmt suchen. Oder indem wir vor uns und anderen über Jahre hinweg behaupten, dass wir den frustrierenden Job definitiv in ein, zwei Jahren kündigen.

Der einzige Weg, der aus dieser Spirale der Lethargie und des Aufschiebens hinaus führt, liegt im berühmten ersten Schritt! Auch der kleinste erste Schritt in die richtige Richtung bedeutet Bewegung und Annäherung ans Ziel!

Wenn du genügend Gelegenheit für den ersten Schritt hattest, diesen aber auch nach angemessener Zeit unbegründet noch nicht gegangen bist, frage dich selbst, wie groß dein Traum ist. Träumst du (noch) deinen eigenen Traum oder verfolgst du in Wahrheit Ziele, die dir von außen auferlegt worden sind? Was ist dein Lebensplan? Ist es dein eigener oder der anderer? Enthält dein Lebensplan in Wirklichkeit keine große Freiheit, keine Abenteuer in Form von Rucksackreisen durch die Welt, sondern eher die Gründung einer Familie oder die Umschulung zur Modedesignerin? Siehst du dich selbst insgeheim gar nicht als treusorgenden Familienvater im Anzug, sondern eher als ewigen Junggesellen, der in seiner Freizeit Theaterstücke inszeniert? Dann werde dir darüber bewusst und sei ehrlich zu dir und anderen!

„Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“

Als Personalerin habe ich diese abgedroschene Frage in den seltensten Vorstellungsgesprächen gestellt, nur dann, wenn es mich ernsthaft interessiert hat und es einen sinnvollen Anlass dafür gegeben hat.

Als mir diese Frage im Alter von 25 Jahren von einem geschätzten Personler gestellt worden ist, war meine Antwort, dass ich mich in einer Führungsposition in einem großen Unternehmen in Luxemburg oder der Schweiz sehe. Innerlich fügte ich hinzu: „…an der Seite eines gut aussehenden, erfolgreichen Mannes, am Steuer eines schicken Mercedes SLK.“

Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich ein paar Jahre später bereits aufgehört habe, dieses Ziel zu verfolgen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Meine Träume und Pläne haben sich verändert, weil ich mich verändert, weil ich mich weiterentwickelt, weil ich gelebt und gelernt habe. 10 Jahre später sitze ich nämlich nicht am Pültchen in einem Hochhausgefängnis, sondern ab nächstem Monat auf der Terasse einer wunderschönen maurischen Finca, wo ich mich für ein paar Wochen hin zurückziehen werde. Auch aus dem Mercedes ist in der Zwischenzeit ein schlichtes rotes Faltrad mit Entchenhupe geworden – aus Überzeugung, nicht aus Geldmangel.

Würde mir heute jemand diese Frage stellen, wäre meine Antwort, dass ich mich ausschließlich im Hier und Jetzt sehe und inständig hoffe, in zehn Jahren an einem Punkt zu sein, der mir heute noch völlig unbekannt ist. Woher soll ich mit Mitte 30 wissen, was ich mit Mitte 40 brauche?

Ich bleibe dabei, dass Pläne da sind, um verwirklicht zu werden – nachdem sie, wenn nötig, ein paar Mal über den Haufen geworfen worden sind.

Habe den Mut, deinen Lebensplan zu ändern und dazu zu stehen!

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Vergangenheit und Zukunft: Eine Illusion

Hast du manchmal das Gefühl, dir rennt die Zeit davon, und du weißt nicht wohin? Fragst du dich von Zeit zu Zeit, was du letztes Wochenende oder letztes Jahr eigentlich gemacht hast? Beschleichen dich dabei Unwohlsein, oder gar Angst vor Vergänglichkeit und dem Älterwerden? Ich kenne das. Ich hatte auch Jahre in meinem Leben, in denen ich Vergänglichkeit gefürchtet habe. Heute sehe ich den Ursprung dieser Angst deutlich vor mir: es ist die Angst, nicht richtig gelebt zu haben. Wenn du dein Leben intensiv lebst und deine Träume verwirklichst, spielen Vergänglichkeit oder das Älterwerden keine Rolle mehr.

Lebe das Leben, das du dir erträumst, und fange jetzt damit an! Denn Zeit ist nur eine Illusion und das einzige, das zählt, ist der augenblickliche Moment!

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