bore out

Du hast richtig gelesen. Manchmal machen uns die Umstände, unter denen wir arbeiten, krank.

Krank vor Langeweile. Krank vor Unterforderung. Krank vor fehlender Sinnhaftigkeit.

Schöne veraltete Arbeitswelt

Unsere schöne Arbeitswelt klammert sich vielerorts noch immer an Strukturen und Arbeitsabläufe aus dem Fabrikzeitalter. Das Resultat: Frustrierte Arbeitnehmer, die aufgrund von Monotonie, eingeschränkter Handlungsspielräume und mangelnder Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und -zeiten erkranken – immer öfter am Bore Out Syndrom.

Leistung wird gemessen an der Anzahl der Stunden, die wir im Büro verbringen. Daher quälen sich Arbeitnehmer und langweilen sich lieber täglich stundenlang im Büro, anstatt um 14:00 Uhr zuzugegeben, dass sie ihr Arbeitspensum erreicht haben und nun in den wohlverdienten Feierabend aufbrechen. Das Unternehmen schmeißt Geld zum Fenster raus, in dem es Menschen dafür bezahlt, dass sie ihr Privatleben vom Büro aus organisieren, sich von youtube unterhalten lassen oder gar im stand by Modus vor sich hin dümpeln und nur so tun, als seien sie beschäftigt. Und der Arbeitnehmer verschwendet seine Lebenszeit, indem er täglich stundenlang nichtstuend darauf wartet, dass die Uhr die magische 17:00 anzeigt. In was für einer (Arbeits-) Welt leben wir eigentlich?!

Schicker und gesellschaftlich akzeptierter ist es natürlich, aufgrund von zu viel Arbeit krank zu sein, ausgebrannt zu sein. Denn damit signalisieren wir, dass wir die unentbehrlichen Leistungsträger des Unternehmens sind. Wir brennen für das, was wir tun, für die Firma, für die Erreichung der Ziele, für unsere Arbeit. Burn Out ist in den Köpfen der meisten Menschen eher positiv konnotiert – mit Einsatz, Hingabe, Unersetzlichkeit.

Depressive Verstimmungen, chronische Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit als Folge von Langeweile, Unterforderung, oder Desinteresse lösen dagegen eher Kopfschütteln und Unverständnis aus.

Doch Bore Out ist eine Krankheit, mit ähnlichen Symptomen wie Burn Out. Und man sollte beides gleichermaßen ernst nehmen.

Wie du erkennst, dass du Bore Out gefährdet bist

  • Fühlst du dich in deinem Job unterfordert und gelangweilt?
  • Sind Erschöpfung und Müdigkeit deine ständigen Begleiter und du fragst dich, woher diese eigentlich kommen?
  • Fehlt dir die Sinnstiftung in deiner täglichen Arbeit?
  • Stellst du immer wieder fest, wie gering dein Selbstbewusstsein geworden ist? Hast du das Vertrauen in dich selbst und deine Fähigkeiten verloren?
  • Verbingst du wesentlich mehr Zeit im Büro mit Urlaubsplanung, dem Versenden privater E-Mails und dem Durchforsten von Rezepten auf chefkoch.de?
  • Hastest du bei jeder Gelegenheit zum Plausch in die Kaffeküche, nur um für ein paar Minuten der trostlosen Öde deines Arbeitsplatzes zu entfliehen?
  • Plagen dich immer häufiger Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Tinnitus, und Migräne?
  • Stapelst du Berge von Papier auf deinem Schreibtisch und starrst mit gerunzelter Stirn auf deinen Bildschirm, um beschäftigt zu wirken, obwohl du mindestens drei Stunden am Tag rein gar nichts zu tun hast?
  • Hast du zur Tarnung permanent Excel Tabellen im Hintergrund geöffnet, die du anklicken kannst, wenn Chef oder Kollegen an deinem Rechner vorbei schlendern?
  • Bist du überqualifiziert für den Job, den du machst und wartest seit Langem auf die versprochene Aufgabenerweiterung, die jedoch nicht in Sichtweite ist?
  • Kannst du das, was du gelernt hast und worin du gut bist, nicht zum Einsatz bringen und deine Fähigkeiten weder dir noch anderen beweisen?

Kannst du mehr als fünf dieser Fragen mit JA! beantworten, solltest du aktiv werden. SOFORT!

Was du sofort tun kannst, um einen Bore Out zu vermeiden

  1. Analysiere die SituationIst absehbar, dass du wieder mehr Arbeit, die dich fordert, zugeteilt bekommst? Liegt die gähnende Leere nur an der gegenwärtigen Auftragslage oder am Sommerloch? Dann überbrücke diesen Zeitraum sinnvoll! Denke proaktiv und arbeite an den Dingen, die bisher immer liegen bleiben mussten. Suche dir in Absprache mit deinem Chef eine Beschäftigung, die einen Mehrwert für den gesamten Arbeitsbereich stiftet und für die es im normalen Tagesgeschäft keine Zeit gibt. Wenn du Interesse an deinem Arbeitsbereich entwickelst, das über deine eigentlichen Aufgaben hinaus geht, hast du automatisch mehr Freude und Motivation in deinem Job.
  2. Aufgabenerweiterung / FortbildungVielleicht hast du innerhalb deines Bereiches Optionen, dich weiterzuentwickeln und dein Handlungsrepertoire zu erweitern. Dir fehlen die entsprechenden Kenntnisse? Recherchiere Weiterbildungsmöglichkeiten und unterbreite diese deinem Chef. Mache ihn darauf aufmerksam, wo aus deiner Sicht Bedarf ist und wie du diesen decken könntest. Sei proaktiv, sonst gehst du schnell unter im Unternehmen. Für deine Weiterentwicklung bist in erster Linie du selbst verantwortlich.
  3. Interner JobwechselGibt es in dem Unternehmen, in dem du arbeitest, Bereiche, für die du auch qualifiziert bist und in die du wechseln könntest? Bietet dein Arbeitgeber dir die Möglichkeit, (temporär) intern versetzt zu werden? Durchforste das Intranet und informiere dich über alle Möglichkeiten, die du innerhalb des Unternehmens hast, um dann gut vorbereitet und überzeugend das Gespräch mit Führungskraft und Personalabteilung zu suchen.
  4. Reduziere deine ArbeitszeitHast du schon einmal in Erwägung gezogen, deine Wochenstunden zu reduzieren, wo du ohnehin 20 von 40 Stunden nichts zu tun hast im Büro? Natürlich bedeutet dies auch finanzielle Einbußen. Doch deine Freizeit und deine Gesundheit sollten es dir Wert sein. Womit könntest du dich jeden Tag beschäftigen, wenn du um 14:00 Uhr nach Hause gehen würdest? Endlich wieder drei mal die Woche im Park joggen? Einen Kräutergarten anlegen? Mit Freundinnen Kaffee trinken gehen? Die Liste an kleinen Auszeiten im Alltag ist endlos. Womöglich kommt aber auch eine lukrative Nebentätigkeit in Frage, die dich persönlich oder beruflich weiterbringt?
  5. SabbaticalVielleicht ist nun der richtige Zeitpunkt, das Thema Sabbatical mit deiner Führungskraft zu besprechen? Wie du deinen Chef garantiert vom Sabbatical überzeugst, kannst du in diesem Artikel nachlesen.
  6. KündigungSind die Punkte 1 bis 5 keine Optionen (mehr) – dann triff die Entscheidung und kündige deinen Job. Mache dich auf die Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen. Nach einem Unternehmen, das besser zu dir passt und in das du besser passt. Nach einem Arbeitsplatz, an dem du gefordert und gefördert wirst. Nach einer Führungskraft und einem Team, die dir die Wertschätzung entgegenbringen, die du verdienst. Was hast du schon zu verlieren, außer Eintönigkeit, Frustration und Monotonie?

Du solltest dir noch heute über die Missstände in deinem Leben klar werden und die Umstände, die dir nicht (mehr) gerecht werden, die dich einengen oder gar krank machen, ändern! Kennst du deine Stärken und Schwächen? Hast du eine genaue Vorstellung davon, wie du dich beruflich selbst verwirklichen möchtest? Dann solltest du keinen Tag länger dein Potenzial, deine Kraft, deine Gesundheit und deine Zeit vergeuden! Strecke deine Fühler aus und brich auf zu neuen Ufern!


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Wie du erkennst, dass du Bore Out gefährdet bist – und was du sofort dagegen tun kannst

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