Freiheit statt Geld

Ich habe einige Menschen getroffen, die mich um ein paar der Arbeitgeber, die meinen bisherigen Lebenslauf schmücken, beneiden. Ein namhafter deutscher Automobilkonzern und zwei große Banken. Über ein entsprechendes Jahresgehalt durfte ich mich zuletzt freuen. Ein weiterer Grund, der gerne mal Neid bei anderen auslöst.

Wenn man sich mit manchen Menschen unterhält, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass das ganze Lebensglück vom Job und nicht zuletzt von der Höhe des Gehalts abhängt. Menschen sind dazu bereit, so viel zu opfern. Nur damit am Ende des Monats ein paar Euro mehr auf dem Konto landen.

Die folgenden fünf Gründe bringen auf den Punkt, warum ich nicht zu jener Gruppe von Menschen gehöre und gerne (vorübergehend) auf ein gutes Gehalt verzichte.

1. Ich fühlte mich wie eine Sklavin in den Ketten der Fremdbestimmung

Schon als Kind hatte ich immense Probleme damit, mir von anderen sagen zu lassen, wann ich was wie zu tun habe. Das ist zur Freude meiner Vorgesetzten (und derer, die es gerne gewesen wären) mit dem Erwachsenenalter tendenziell schlimmer geworden.

Darum bitten zu müssen, einen Tag Urlaub zu nehmen? Jedesmal auf´s Neue eine Erniedrigung für mich.

Von Montag bis Freitag zu bestimmten Zeiten an einem bestimmten Ort sein müssen? Der Sinn hat sich mir nie erschlossen, da ich die meisten Stunden ohnehin in der virtuellen Welt unterwegs war.

Den in der Hierarchie mir Überlegenen zuarbeiten? Tag für Tag eine Überwindung.

Mich in einen Hosenanzug zwängen müssen, nur um den vorherrschenden Dress Code einzuhalten? Uniformiertheit hat mich immer gegruselt. Mich Feierabend für Feierabend meines Hosenanzugs zu entledigen fühlte sich immer wieder auf´s Neue befreiend an.

Als Angestellte hat es mir zu jeder Zeit an Freiheit und Selbstbestimmtheit gefehlt.

2. Ich lebte von Wochenende zu Wochenende und von Urlaub zu Urlaub

Die Zeiten zwischen den Wochenenden und Urlauben kamen mir vor wie Phasen, die zwischen dem „richtigen“ Leben stattfinden. Die vier Wochen Urlaub im Jahr, die ich mir trotz der dummen Gesichter meiner lieben Kollegen gönnte, ermöglichten mir, 100 % ich selbst zu sein und genau das Leben zu leben, das meinen Vorstellungen von Freiheit entspricht. Ich vermeide es, die Tage und Stunden zusammen zu rechnen, die ich verschwendet habe. Wie viel wertvolle Lebenszeit habe ich an mir vorbeiziehen lassen, während ich auf zwei Bildschirme starrte, lästige Diskussionen führte und mich von einem permanent klingelnden Telefon innerlich in den Wahnsinn treiben ließ. Oder während ich Vorgänge bearbeitete, die die Welt kein Stück besser machten.

3. Ich verbrachte mehr Zeit mit ungeliebten Kollegen, als mit meinen Liebsten

Mindestens 40 Stunden die Woche war ich umgeben von Menschen, für die ich mich größtenteils nicht sonderlich erwärmen konnte (an dieser Stelle: sorry, liebe Kollegen!). Wann hatte ich zuletzt 40 Stunden die Woche mit meinen Freunden, meiner Familie, oder einfach nur mir selbst?! Jeden Tag habe ich zu Mittag gegessen mit Menschen, mit denen ich über das Berufliche hinaus keinerlei Anknüpfungspunkte hatte. Und geplante Abendessen mit guten Freunden mussten ständig verschoben oder abgesagt werden.

4. Meinem Streben nach persönlicher Weiterentwicklung wurde nicht entsprochen

In allen Jobs, die ich bisher hatte, bin ich recht schnell an meine Grenzen gekommen. Die Konsequenz war immer, dass der anfängliche Enthusiasmus gähnender Langeweile und ersten Anzeichen eines Bore Outs gewichen ist. Die meisten Jobs sind anfangs spannend, da alles neu ist und es viel zu lernen und zu erschließen gibt. Nach einem halben bis einem Jahr jedoch fühlt man sich oft wie ein Fließbandarbeiter. An Entwicklungsperspektiven mangelt es häufig, da in vielen Unternehmen begehrte Stellen in fester Hand sind und man ohnehin erst einmal für ein paar Jahre Fleiß und Gehorsam beweisen muss, bevor man befördert wird.

5. Ich hatte ständig Rückenschmerzen und mir mangelte es an Schlaf

Wenn man mindestens 40 Stunden die Woche in ein und derselben Haltung vor einem PC sitzt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Beschwerden wie Rückenschmerzen und Verspannungen jeglicher Art bemerkbar machen. Da ich mir in meinen letzten Jobs viel zu selten die Freiheit nahm, pünktlich Feierabend zu machen, um Sport und Yoga zu praktizieren, waren Kopf- und Rückenschmerzen für mich fast schon selbstverständlich. Weil mich der Stress auf der Arbeit beim Verlassen des Büros nicht los gelassen hat, lag ich unzählige Nächte wach in meinem Bett und wälzte mich verzeifelt von der einen auf die andere Seite.

Freiheit ist mehr wert als alles Geld der Welt!

Freiheit, Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit

Seit numehr einem dreiviertel Jahr bestimme ich jeden einzelnen Tag in meinem Leben selbst. Was ich wann wo mache. Warum und wie lange.

Im Moment ist es mir egal, ob Montag, Mittwoch oder Samstag ist. Ich kann jeden Tag intensiv nutzen und mein Leben genießen. Und das jeden Tag auch vor 17:00 Uhr nachmittags.

Heute ist Donnerstag, der Himmel ist strahlend blau und es sind 30 Grad. Ich habe meinen Bikini und ein Picknick mit frischen Erdbeeren, selbstgemachtem Zitronenkuchen und Apfelsaft eingepackt und bin zum See gefahren. Ich muss nicht mehr darauf warten, dass es (mindestens) 17:00 Uhr oder Wochenende ist.

Januar und Februar habe ich unter anderem in der Karibik verbracht, die nächste Reise beginnt in ein paar Wochen. Urlaub, den ich mir von niemandem genehmigen lassen muss.

Ich umgebe mich ausschließlich mit Menschen, die mir gut tun. Chronisch Unzufriedene und ständige Nörgler haben in meinem Leben keinen Platz mehr.

Ich habe jeden Tag genügend Raum, Neues zu lernen. Einfach um des Lernens Willen.

Kein Geld der Welt ersetzt das Gefühl, frei zu sein und selbstbestimmt zu leben!

Freiheit

Was ich dir damit sagen will

Du fragst dich, warum ich dir das alles erzähle? Weil ich weiß, dass auch du Freiheit und Unabhängigkeit einem fremdbestimmten Alltag im goldenen Käfig vorziehst. Sonst hättest du dich von der Überschrift nicht angezogen gefühlt. Und du hättest den Artikel schon gar nicht bis hier hin gelesen…

Wir alle sind vom Geld abhängig, sonst können wir unsere Brötchen und unsere Miete nicht bezahlen. Das heisst, wir müssen (immer wieder mal) arbeiten, um Geld zu verdienen. Das ist nicht die Frage.

Die Frage, die du dir beantworten solltest, ist viel eher, was du bereit bist, für den Broterwerb zu opfern. Und ob Geld verdienen nicht mehr als bloßer Broterwerb sein kann?

Ich habe für mich entschieden, dass ich nie wieder so viel Lebenszeit, meine Gesundheit und meine Energie opfern werde, um mein Bankkonto zu füllen. Wenn ich weniger arbeite, verdiene ich auch weniger, und das ist in Ordnung. Denn wie die meisten von uns komme auch ich mit wesentlich weniger aus, wenn ich etwas bescheidener lebe. Und im Gegenzug erhalte ich mehr Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit – Faktoren von unschätzbarem Wert, für die ich gerne auf viel Geld verzichte…


Mehr Gedanken zum Thema Geld habe ich in diesen Artikeln geteilt:

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