Wanderreise

Hast du dich gewundert, warum seit ein paar Wochen kein Newsletter mehr in dein Postfach geflattert und es auf Sabbatical Compass sehr ruhig geworden ist? Fast einen ganzen Monat war Sabbatical Compass offline. Und das nicht ohne Grund…

Ich hatte das Bedürfnis, auszubrechen. Loszulaufen, um bei mir selbst anzukommen. Denn trotz beruflicher Auszeit habe ich mich in den letzten Wochen rastlos gefühlt und meine aktuelle Situation hinterfragt. Also habe ich meinen Rucksack mit einem Zelt sowie ein paar Utensilien, derer es zum Leben in der Wildnis bedarf, ausgestattet und mich auf nach Skandinavien gemacht.

Wer jemals eine Wanderreise in atemberaubender Natur wie der Skandinaviens gemacht hat, weiß, wie schwer es ist, all diese nahezu unbeschreiblichen Impressionen in Worte zu fassen.

Wanderreise

Was ich definitiv sagen kann, ist, dass eine Wanderreise lebensverändernd sein kann.

Dabei sei vorweg genommen, dass ich mit Wanderreise keine bezahlten, organisierten Ausflüge in die Natur meine. Sogenannte „Outdoor Events“, bei denen Großstädter in Gruppen über geebnete Pfade spazieren. Bestens ausgestattet mit Allem, was der Reiseblog des Vertrauens vorschreibt und was man vorher teuer im Outdoor Laden für die einmalige Benutzung erstanden hat. Ganz zu schweigen von den vielen Möglichkeiten, unterwegs „einzukehren“ und komfortabel zu übernachten…

Was eine Wanderreise für mich im letzten Monat bedeutet hat und was du beim Wandern über das Leben lernst, habe ich dir im Folgenden zusammengefasst:

Wanderreise

Rückkehr zum minimalistischen Leben

Wenn du abseits ausgetretener, gut markierter Pfade sowie fernab gesellschaftlicher Annehmlichkeiten wanderst – oder lebst -, erfährst du pure Freiheit. Du bist völlig frei von jeglichem Ballast und etwaigen Begrenzungen.

Tage lang war ich in der Wildnis Skandinaviens unterwegs. Tagelang war ich unabhängig. Unabhängig von der Uhrzeit. Unabhängig von Strom. Unabhängig von Geld. Unabhängig von jeglichem Ballast, den wir alle im Alltag mit uns herumschleppen.

Durch die Rückkehr zum einfachen Leben habe ich einmal mehr gelernt, wie wenig ich zu einem glücklichen Leben brauche. Und das ich gut leben kann, auch wenn ich nur gerade soviel, wie ich auf meinem Rücken tragen kann, besitze.

Ist deine Wohnung nicht auch randvoll mit Krempel, den du nicht wirklich benötigst, um zu leben und glücklich zu sein?

Wieso solltest du stundenlang auf einen Bildschirm starren und anderen beim Leben zusehen, wenn du deine Abende damit verbringen kannst, Sonnenuntergänge zu beobachten oder in der meditativen Stille zu versinken, die der Anblick eines Sees bietet?

Beim Wandern belastet dich jedes Gramm, das du zuviel mit dir trägst. Ebenso verhält es sich im wahren Leben. Alles, was du nicht wirklich brauchst, beschwert dich und beschneidet deine Freiheit. Sei es im materiellen oder immateriellen Bereich.

Wanderreise

Das Leben findet in diesem Moment statt

Wenn du acht Stunden oder mehr am Tag wanderst, verfällst du automatisch in einen meditativen Zustand, der es dir ermöglicht, nur im Hier und im Jetzt zu sein. Indem du einen Schritt vor den anderen setzt und es keinerlei Ablenkungen um dich herum gibt, werden deine Gedanken ganz klar und dein Kopf irgendwann leer.

Wie oft lebst du mit deinen Gedanken in einer Zukunft, in der du alles hast und bist, was dir momentan zu einem erfüllten Leben fehlt? Oder aber du hängst glücklichen, jedoch längst vergangen Tagen nach.

Manchmal kommt es mir vor, als sei das ganze Leben für viele Menschen die Generalprobe für die Aufführung eines Theaterstücks, die niemals stattfinden wird. Die Realität aber ist, dass das Leben in diesem Moment die einzige Aufführung ist. Es gibt keinen Vorlauf, keine Proben und keine Premiere. Beim Wandern wird dir das bewusst.

Wanderreise

Grenzen sind da, um überwunden zu werden

Beim Wandern gehst du an deine Grenzen, ganz gleich ob physisch oder mental. Eine Wanderreise beinhaltet auch Phasen, in denen du dich zwingen musst, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Deine Beine sind müde, dein Rucksack fühlt sich zu schwer an. Du bist seit Tagen unterwegs und hast dir heute ein Ziel gesetzt, das 24 Kilometer entfernt ist.

Wenn es dir gelingt, körperliche Grenzen zu überwinden, gehst du gestärkt aus der Wanderung hervor. Du lernst, dass viel mehr Kraft auf dem Weg zu deinem ganz persönlichen Ziel in dir steckt, als du dachtest. Dieses Gefühl der Stärke kannst du auf alle Bereiche deines Lebens übertragen.

Ebenso verhält es sich auch bei mentalen Grenzen. Dir wird mulmig beim Gedanken daran, im dunklen Wald in der Wildnis, fernab der Zivilisation alleine in einem Zelt oder gar unter freiem Himmel zu übernachten? Ich versichere dir, hast du diese Grenze einmal überwunden und dich deiner Angst gestellt, wirst du als veränderter Mensch aus dieser Erfahrung hervorgehen.

Beim Wandern in der Wildnis bist du auf dich alleine gestellt und machst ständig neue Erfahrungen, die weit außerhalb deiner Komfortzone liegen. Dies erfordert auch neue Reaktionen und Herangehensweisen.

Wanderreise

Geduld, Gelassenheit und Zuversicht

Während du zu Hause deinen morgendlichen Kaffee in der Maschine binnen weniger Augenblicke zubereitet hast, musst du in der Natur erst einmal Holz sammeln und ein Feuer machen sowie Wasser aus dem See holen. Wege sind nicht (immer) ausgeschildert und manchmal kämpfst du mit GPS Gerät, Karte & Co. Am besten, während es plötzlich anfängt wie aus Eimern zu schütten. Diese Situationen erfordern ein hohes Maß an Geduld und Gelassenheit. Eigenschaften, die du in der Natur zwangsläufig entwickelst. Du lernst in diesen Situationen, das Leben so zu nehmen, wie es im Moment eben ist. Du entwickelst eine innere Ruhe, die von äußeren Umständen nicht so leicht zu verdrängen ist. Ebenso lernst du, zuversichtlich zu sein und dir selbst sowie dem Fluss des Lebens zu vertrauen.

Wanderreise

Nichts ist schlimmer als Stillstand

Das bezaubernde am (Fern-) Wandern ist die sich permanent ändernde Umgebung. Wie im echten Leben gibt es dir ein gutes Gefühl, weiterzukommen, Neues zu entdecken. Auch wenn du hin und wieder rastest, um dich zu regenerieren oder die Aussicht in vollen Zügen zu genießen, du verharrst nicht ewig an einem Ort. Du bleibst nie stehen. Du kommst immer weiter und setzt einen Fuß vor den anderen.

Stillstand ist beim Wandern keine Option. Ebenso wenig wie Umkehren. Neue Wege auszuprobieren, Risiken einzugehen, offen für Abzweigungen zu sein hingegen schon. Denn die schönsten Punkte sind nicht immer einfach zu erreichen.

Auch beim Wandern sind Pläne dafür da, um über den Haufen geworfen zu werden. Wandern ist kein zielbewusstes Reisen. Denn letzteres ist hinderlich für Überraschungen und abenteuerliche Wendungen.

Wanderreise

Der Sinn des Wanderns ist nicht das Ziel!

Meine wahrscheinlich wichtigste Lektion ist, dass mein persönlicher Sinn sowohl beim Wandern als auch im Leben darin besteht, unterwegs zu sein. Immer wieder anzukommen und aufzubrechen.

Auch mein Sabbatical sehe ich lediglich als sehr angenehme Etappe auf meinem Weg. Was danach kommt? Ich weiß es nicht. Es spielt auch keine Rolle. Hätte ich auf meiner Wanderreise an meinem ursprünglichen Ziel festgehalten, hätte ich den Weg nicht genießen können und mir wäre so manch eine unvergessliche, wertvolle Erfahrung verwehrt geblieben…


Während meiner Zeit in den USA hatte ich die tolle Möglichkeit bei einer lieben Freundin, die Wanderführerin in den Catskills ist, mitzuwandern. Hast du Interesse daran, in der umwerfenden Natur Nordamerikas zu Wandern? Ganz gleich, ob du erfahren bist oder dich erst einmal in einer angenehmen Gruppe wohler fühlst, ich kann dir Dave und Jessica von destinationbackcountryadventures wärmstens und aus eigener Erfahrung empfehlen. Ein Beitrag zu meiner Erfahrung dort folgt in Kürze…


Hast du Erfahrungen mit Wanderreisen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

Was du beim Wandern über das Leben lernst

2 thoughts on “Was du beim Wandern über das Leben lernst

  • Juli 27, 2016 bei 12:50 pm
    Permalink

    Hallo Juli,

    So ein Zufall, ich war auch unlängst in Finnland zu Hiken und kann deine Erfahrungen nur bestätigen. Diese Reduzierung auf das Wesentlichste, auf Essen, Schlafen und Wandern kommt einer Meditation gleich, so effektiv leert sie den Geist.

    Antwort
    • Juli 28, 2016 bei 7:33 am
      Permalink

      Hallo Robben,
      Skandinavien ist definitv der richtige Ort dafür!
      Viele Grüße

      Antwort

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